Forschung: MoPlasDekon – Plasma im Katastrophenschutz

Forschungsprojekt MoPlasDekon: Präsentation des neu entwickelten Plasma-Desinfektors im Plasmatreat-Technologiezentrum. V.l.n.r: Sebastian Guist, Daniel Haße, Prof. Dr. Thomas Schmitt-John, Christian Buske, Dr. Alexander Knospe, Erhard Krampe (alle Plasmatreat) sowie Thomas Stadler (BRK), Uwe Kippnich (BRK), Bernd Kramer (Fraunhofer IVV), Dr.-Ing. Peter Muranyi (Fraunhofer IVV) und Dr.-Ing. Frank Sicking (VDI-Technologiezentrum, BMBF-Projektträger) (Foto: Plasmatreat)

Steinhagen/Westfalen. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiierten Programms „Forschung für die zivile Sicherheit" kommt das dreijährige Förderprojekt MoPlasDekon (Mobile Plasma-Dekontamination) im August 2019 zu seinem Abschluss. Die Projektpartner – Plasmatreat GmbH, Steinhagen und das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV), Freising zusammen mit dem assoziierten Partner Bayerisches Rotes Kreuz (BRK) – präsentierten Gästen und Pressevertretern Ende Juli den in diesem Forschungsprojekt zum Einsatz bei biologischen Gefahrenlagen entwickelten mobilen Plasma-Desinfektor.

Chemische Dusche im Seuchenfall: Das MoPlasDekon-Verfahren soll die bislang angewandten gesundheitsgefährdenden und umweltbelastenden Chemikalien in Zukunft ersetzen (Foto: Rafael Ben-Ari_Fotolia.com)

Plasma ersetzt Chemikalien

Ziel des Projektes war, der herkömmlichen nasschemischen Dekontamination von verseuchten Oberflächen eine umweltfreundliche, leichter einsetzbare und schneller wirkende Entkeimungsmethode entgegenzusetzen. Legen Rettungskräfte in Seuchengebieten ihre Schutzanzüge nach Einsatzende ab, sind sie durch Krankheitserreger, die an diesen Anzügen anhaften, in hohem Maße gefährdet. Auch die Innenräume verseuchter Krankentransportwagen müssen von Bakterien, Pilzen und Viren befreit werden. Die Dekontamination dieser Gegenstände erfolgt bis heute vornehmlich durch das Abspritzen oder Abreiben mit gesundheitsschädlichen und die Umwelt stark belastenden Nasschemikalien.

Mit der neu entwickelten Düse kann eine Reduktion von Bakterien um den Faktor eine Million erreicht werden, was den Anforderungen für eine Sterilisation genügt (Foto: Plasmatreat)

Mit der MoPlasDekon-Technologie lassen sich dagegen gefährliche Krankheitserreger trocken und in kürzester Zeit auf Materialoberflächen ohne Gefahr für Umwelt und Gesundheit eliminieren. „Das von Plasmatreat entwickelte Plasma-Desinfektorsystem beinhaltet eine Sterilisationsdüse, die sich zur Erzeugung des Plasmas einer dielektrischen Barriereentladung (Dielectric Barrier Discharge, DBD) bedient", erläuterte Dr. Alexander Knospe, Leiter Innovationsmanagement bei Plasmatreat und MoPlasDekon Verbundkoordinator. Mit der neu entwickelten Düse kann eine Reduktion von Bakterien um den Faktor eine Million erreicht werden, was den Anforderungen für eine Sterilisation genügt. Polymere Schutzanzüge von Einsatzkräften können mit dem reaktiven Plasmagas ebenso effektiv desinfiziert werden, wie die Innenräume ganzer Krankentransportwagen. Mit einer speziellen Gassensorik, entwickelt vom dritten Projektpartner m-u-t GmbH, Wedel, kann zudem die Wirksamkeit der Plasmabehandlung gegenüber den pathogenen Erregern vor Ort genau überprüft werden.

Als industrielles Produkt wird die MoPlasDekon-Anlage bei einem Gewicht von nur 25 kg von einer Person tragbar, mobil einsetzbar und leicht bedienbar sein. Ein eingebauter Lithium-Ionen-Akku sichert zu jedem Zeitpunkt die Stromversorgung. Mit der Anlage soll es zukünftig möglich werden, an jedem Ort der Welt verseuchte Gegenstände ohne den Einsatz aggressiver Chemikalien zu entkeimen.

Plasmatreat Geschäftsführer Christian Buske (ganz links) dankt Thomas Stadler, Abteilungsleiter Rettungsdienst beim BRK für die Bereitstellung eines Krankentransportwagens zu Versuchszwecken der MoPlasDekon-Anlage (Foto: Plasmatreat)

Unterstützung aus der Praxis

Fachberatend unterstützt wurden die MoPlasDekon-Partner von vier assoziierten Projektpartnern aus der Praxis: der Spezialeinheit Analytische Task Force Biologie (ATF B) der Feuerwehr Essen, den Rettungs- und Katastrophenexperten der Hilfsorganisation Bayerisches Rotes Kreuz (BRK), die extra für Versuchszwecke einen Krankentransportwagen aus Bayern ins westfälische Steinhagen hatten bringen lassen, sowie der Firma Thorsten Schöppner INHAG Zelte und Zubehör. Vierter Ratgeber war die zentrale Bundeseinrichtung für Krankheitsüberwachung und -prävention, das Robert Koch-Institut (RKI), Berlin, welches selbst eine Einsatzgruppe für biologische Gefahrenlagen unterhält.

Der nächste Schritt

Die Weiterentwicklung des Demonstrators zur Serienreife ist der nächste Schritt. Am industriellen Produkt interessierten Investoren stehen die Türen offen. Sie finden Vielversprechendes vor: Das erste mobile, per Gassensorik überwachte High-Tech-Plasmasystem, das in der Lage ist, netzstromunabhängig an jedem Katastrophenort der Welt gefährliche Krankheitserreger auf Gegenständen umweltfreundlich zu eliminieren – schnell, sicher und völlig chemiefrei.

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