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„Geht nicht, gibt’s bei mir nicht.“
Peter Förnsel, Miterfinder der Plasmatechnologie Openair® verlässt zu
seinem 67. Geburtstag die Geschäftsführung von Plasmatreat und wird Consultant.
(bri) Steinhagen. Daniel Düsentrieb lebt in Westfalen und heißt mit bürgerlichem Namen Peter Förnsel. Geboren wurde er nicht in Entenhausen, sondern im Jahre 1940 als Sohn eines Maschinenbauingenieurs in Berlin-Spandau. Er trägt heute einen weißen Bart, misst fast zwei Meter und sein Sternbild ist die Jungfrau - was seinen Hang zu technischem Perfektionismus und kritischem Denken, seine Detailtreue, aber auch seine Bescheidenheit und Zurückgezogenheit für manchen erklären mag.

Foto: Blue Rondo International
Am liebsten sitzt der Erfinder verborgen vor allen Mitarbeitern in seinem Forschungsraum, tüftelnd und knobelnd, bis wieder eine seiner Erfindungen zur Patentanmeldung bereit ist. Immer geht es dabei um Energie. Um Elektronen und Ionen, um Schaltkreise, Hochspannung und Generatoren, aber vor allem um den, nach „fest, flüssig und gasförmig“, so genannten 4. Aggregatzustand - das Plasma. Der Name „Düsentrieb“ wäre schon passend, hat doch Peter Förnsel, der 67-jährige Mitgesellschafter der Plasmatreat GmbH, Steinhagen, tatsächlich spezielle Düsen erfunden und damit einen Welterfolg gelandet. Diese Düsen dienen dem Einsatz der von ihm und seinem Geschäftspartner Christian Buske vor rund 10 Jahren entwickelten Plasmatechnologie Openair®, eine in der Industrie bahnbrechende Technik zur umweltschonenden und höchst effektiven Vorbehandlung von Materialoberflächen.
Schon früh regte sich der Erfindergeist in Peter Förnsel. „Es begann mit acht Jahren“, erinnert sich der stattliche Manager schmunzelnd, „als ich den neuen Glockenwecker meines Vaters stibitzte und ihn in seine Einzelteile zerlegte. Einige Teile baute ich dann neu und etwas anders zusammen und plötzlich wurde daraus ein kleines Gefährt, das sich in Bewegung setzte.“ Ab diesem Moment war keine Technik mehr vor ihm sicher, doch bevor Förnsel die heute weltweit bekannten Plasmadüsen erfand, sollten noch viele Jahre vergehen.
Im Jahre seiner Geburt herrschte der 2. Weltkrieg. Der Vater findet eine Anstellung im Sudetenland, doch 1945 muss die Familie vor den Russen zu den Großeltern nach Bielefeld flüchten. Von dort geht es zunächst nach Bayern, später nach Krefeld und schließlich zurück nach Westfalen. Peter Förnsel lässt sich nach dem Fachabitur zum Starkstromelektriker ausbilden, eine Materie, die ihn schon immer fasziniert hat. Lange Jahre arbeitet er für ein Unternehmen als Entwickler von Generatoren zur Vorbehandlung von Materialien im Coronaverfahren.
Nachdem es ihm erfolgreich gelingt, eine von ihm entwickelte Coronaanlage für den Einsatz in der Druckereibranche zu konstruieren, fasst er noch im Alter von 54 Jahren den Entschluss, sich selbstständig zu machen und gründet eine eigene Firma. Nur ein Jahr später, 1995, trifft er auf Christian Buske. Dieser erkennt das Potential und wird Partner. Christian Buske hat eine spannende Vision: Nicht nur im Coronaverfahren sollten Vorbehandlungen möglich sein, sondern in einem wesentlich effektiveren und wirtschaftlicheren Düsenprozess. Doch eine solche Düse sowie der dazu benötigte Plasmastrahl mussten erst einmal erfunden werden. Ein Plasmastrahl erfordert, um richtig wirken zu können, eine ganz bestimmte Anpassung an die zu behandelnde Oberfläche. Förnsel begreift schnell: „Hierzu brauchen wir Luft, eine gezielte Druckluftströmung, die das Plasma lenkt und den Strahl durch den Düsenkopf punktgenau auf die zu behandelnde Oberfläche transportiert.“ Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnt: Diese Lösung ist der Beginn einer Plasmatechnologie, die unter dem Namen Openair® schon bald Weltkarriere machen wird.
Nur zwei Jahre später folgt ein angestrebtes Rotationssystem, welches sofort in der Industrie zur Verwendung kommt. Renommierte Forschungsinstitute, allen voran das Fraunhofer IFAM, beginnen sich für die innovative Plasmatechnologie zu interessieren und eine enge Zusammenarbeit beginnt. Wenig später, im Jahre 1999, erhält die gemeinsame Firma den neuen Namen „Plasmatreat“.
Förnsels und Buskes Entwicklungen werden auf internationaler Ebene zum Patent angemeldet. Bereits 1999 beginnt die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Markt, wenig später mit Asien. Die Entwicklung geht mit Riesenschritten voran. Förnsel findet im Jahre 2003 die Lösung, Materialien mit Openair® - Plasma auch zu be- und entschichten, ein Verfahren, das heute für den Korrosionsschutz von Metallen in der Automobilindustrie Maßstäbe setzt. Buske betreibt in den wenigen Jahren die internationale Expansion und im Jahr 2007 ist Plasmatreat mit Technologiezentren in Deutschland, Nordamerika und Japan sowie Niederlassungen und Vertretungen in 18 Ländern weltweit führender Anbieter von atmosphärischen Plasmasystemen.
„Die Unternehmensentwicklung erfüllt mich mit enormen Stolz“, sagt Peter Förnsel und auf die Frage, ob jetzt für ihn Schluss sei mit der Erfinderei, antwortet er lachend: „Geht nicht, gibt’s nicht bei mir. In meinem Kopf schlummern noch viele wichtige Erfindungen zum Wohle von Plasmatreat, die ich in Zukunft als enger Berater in die Firma einbringen werde.“


